Die Welfen: Das nachweislich älteste Fürstenhaus Europas

300. Jubiläum der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien

Erbprinz Ernst-August von Hannover (rechts) und sein Bruder Prinz Christian von Hannover am 30. April 2014, anläßlich der Ausstellungseröffnung »Der Weg zur Krone - Das Königreich Hannover und seine Herrscher«, im Innenhof von Schloss Marienburg | © Schloss Marienburg, Patrice Kunte
Erbprinz Ernst-August von Hannover (rechts) und sein Bruder Prinz Christian von Hannover (2014)
Britisch-Hannoversches Königswappen (1714-1801) - Quelle Wikipedia

Die Welfen auf Englands Thron: Wichtige Weichen wurden gestellt, als Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg 1658 Prinzessin Sophie von der Pfalz heiratete. Sie war zuvor die Verlobte seines Bruders Georg-Wilhelm gewesen. Der berühmte „Brauttausch" ging in die Geschichte ein, eröffnete er doch dem Hause Hannover nie geahnte Möglichkeiten, auf die Geschichte Europas und der Welt Einfluss zu nehmen.

Seit dem 16. Jahrhundert war England in der Religionsfrage zerrissen. Einer protestantischen Mehrheit stand eine katholische Minderheit gegenüber. 1689 entschied das Parlament 1689 mit den „Bill of Rights“, nur noch protestantische Mitglieder des Hauses Stuart als Thronfolger zuzulassen.

So war es Kurfürstin Sophie von Hannover, die als protestantische Enkelin des Stuartkönigs Jakob I. im Jahr 1701 vom britischen Parlament mit dem „Act of Settlement“ zur designierten Thronfolgerin wurde. Die Voraussetzungen für die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien waren geschaffen.

Nach dem Tod von Kurfürstin Sophie am 8. Juni 1714 übertrug sich ihr Erbanspruch auf ihren Sohn Georg Ludwig, der wenige Wochen später nach dem Ableben der Königin Anne als Georg I. den englischen Thron bestieg. Damit wurde der Grundstein für die Regentschaft des Hauses Hannover im zukünftigen britischen Weltreich gelegt.

Bis 1837 waren das Kurfürstentum und spätere Königreich Hannover mit dem Königreich Großbritannien durch fünf Könige aus dem Hause Hannover miteinander verbunden. Diese historisch bedeutende Ära der Könige Georg I. bis Georg IV. und Wilhelm IV währte 123 Jahre. Sie endete, weil König Wilhelm IV. von England ohne erbberechtigte Nachkommen im Jahr 1837 stirbt und Viktoria, die Tochter von Wilhelms 1820 verstorbenem Bruder Eduard August, Monarchin wird. Nach welfischem Erbrecht, das eine weibliche Thronfolge nicht zulässt, besteigt ihr Onkel, der Herzog von Cumberland, im Alter von 66 Jahren als Ernst August König von Hannover den hannoverschen Thron.

Die Welfen: Die Könige der Personalunion (1714-1837)

  • König Georg I. im Krönungsornat, nach Godfrey Kneller, um 1720, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover
    König Georg I. im Krönungsornat, nach Godfrey Kneller, um 1720, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover
  • König Georg II. (1727-1760), Johann Leonhard Hirschmann, Georg II. als Prince of Wales, um 1704/06 - © Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
    König Georg II. (1727-1760), Johann Leonhard Hirschmann, Georg II. als Prince of Wales, um 1704/06 - © Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
  • König Georg III. (1738–1820), Öl auf Leinwand nach dem Staatsporträt von Allan Ramsay1760, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover
    König Georg III. (1738–1820), Öl auf Leinwand nach dem Staatsporträt von Allan Ramsay1760, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover
  • König Georg IV., Öl auf Leinwand, von Friedrich Winkelmann, nach Thomas Lawrence, 1827, Historisches Museum Hannover, © Historisches Museum Hannover
    König Georg IV., Öl auf Leinwand, von Friedrich Winkelmann, nach Thomas Lawrence, 1827, Historisches Museum Hannover, © Historisches Museum Hannover
  • König Wilhelm IV. im Krönungsornat um 1830, Öl auf Leinwand 273 x 184 cm, unbekannter Künstler, nach William Beechey, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover
    König Wilhelm IV. im Krönungsornat um 1830, Öl auf Leinwand 273 x 184 cm, unbekannter Künstler, nach William Beechey, Historisches Museum Hannover - © Historisches Museum Hannover

Die Welfen: Herkunft und Verbreitung

Kaiserfalz Goslar mit Marktkirche - Fotograf: Stefan Schiefer - Quelle: GOSLAR marketing gmbh

Das ursprünglich aus dem süddeutschen Raum und heutigen nördlichen Italien stammende Adelsgeschlecht der Welfen ist das älteste Fürstengeschlecht Europas und kann seine Wurzeln bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts zurückführen.

Durch Heirat und Erbschaften gelangten die Welfen in Besitz der Norddeutschen Gebiete zwischen der unteren Elbe und dem Harz. 1235 erhob Kaiser Friedrich II. diese Besitzungen zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

In den folgenden Jahrhunderten kam es in diesem Herzogtum wiederholt zu Erbteilungen wodurch mehrere kleine Fürstentümer entstanden, darunter Calenberg-Göttingen (1495), Lüneburg und Wolfenbüttel.

Nach dem unerwarteten Tod seines weiteren Bruders Johann Friedrich erbte Herzog Ernst August 1679 das Fürstentum Calenberg-Göttingen mit der Residenz in Hannover und bekam nun doch noch sein langersehntes eigenes Herrschaftsgebiet: 1692 wurde das Fürstentum Calenberg-Göttingen zum Kurfürstentum Hannover erhoben.

Die Welfen: Das Königreich Hannover

Erbprinz Ernst August von Hannover und das Herzstück der Ausstellung auf Schloss Marienburg - die Königkrone. 2014 wird das 300-jährige Jubiläum der Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien gefeiert und auch die Erhebung Hannovers zum Königreich jährt sich zum 200sten mal. Schloss Marienburg nimmt diese beiden Jubiläen zum Anlass, die Geschichte des Hauses Hannover vom 1. Mai bis 9. November 2014 in einer eigenen Ausstellung zu präsentieren. | © Schloss Marienburg, Patrice Kunte
Erbprinz Ernst August von Hannover mit der Königskrone auf Schloss Marienburg


Vor 200 Jahren, am 12. Oktober 1814 erklärte sich das von Napoleon I. aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) selbst zum Königreich. Regiert wurde es von Georg III., Georg IV. und Wilhelm IV.. Mit dem Tod von König Ernst August wurde sein Sohn Georg V. im Jahr 1851 König von Hannover. Er blieb im Übrigen als Nachfahre König Georgs III. als Kronprinz Mitglied der britischen Königsfamilie. Georg V. regierte 15 Jahre, bevor er nach der Schlacht bei Langensalza und durch die folgende Annexion des Königreiches durch Preußen 1866 mit seiner Familie nach Österreich ins Exil ging.

Die Welfen: Schloss Marienburg nach dem Krieg

Schloss Marienburg vor den Toren der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover - © EAC GmbH
Schloss Marienburg vor den Toren der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover


Der Enkel König Georgs V. und Königin Maries, Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg, und seine Frau Herzogin Victoria Luise, ziehen 1945 mit ihrer Familie auf die Marienburg nachdem sie ihr Schloss in Blankenburg/Harz verlassen mussten. 1957 zieht die Herzogliche Familie auf das Gut Calenberg in Schulenburg. 1969 - Ortrud Prinzessin von Hannover richtet das erste, ständige Museum auf Schloss Marienburg ein.

Im Jahr 2004 übernimmt der 1983 geborene Erbprinz Ernst August von Hannover die Familienbesitzungen in Deutschland und Österreich. Der gelernte Investmentbanker mit Hauptwohnsitz in London und Ur-Ur-Urenkel von Königin Marie und König Georg V. hat den Welfensitz in den letzten Jahren zu einem Besuchermagneten in der Region Hannover gemacht.

Die Welfen: Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1633-1714)

Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel (1633-1714) (links) | Lesesaal der fürstlichen Bibliothek um 1714 - Computeranimation (rechts)
Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel | Lesesaal der fürstlichen Bibliothek um 1714 (Computeranimation)


Barocker Herrscher, machtbewusster Politiker, talentierter Dichter und Theaterliebhaber, ambitionierter Kunstsammler und Bauherr - Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel aus dem Haus der Welfen, zählt ohne Zweifel zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Absolutismus. Trotz der unbedeutenden Größe seines Herrschergebietes kannten die Großen Europas den Welfenherzog. Anlässlich seines 300. Todestages widmet das Museum Schloss Wolfenbüttel Herzog Anton Ulrich die große Sonderausstellung „Die Sonne im Norden“.

Nach dem Regierungsantritt seines Bruders, Herzog Rudolf August, wurde Anton Ulrich 1667 zunächst Statthalter, seine Begabung und sein politisches Engagement machten ihn aber defacto schon in diesen Jahren zum Mitregenten. Offiziell wurde er 1685 zum Mitregenten ernannt und schließlich von 1704 bis zu seinem Tod, im Jahr 1714, Alleinregent des Fürstentums.

Die Förderung und die Liebe zu Kunst, Kultur und Architektur auf der einen Seite und die politische Diplomatie im europäischen Spiel der Mächte auf der anderen Seite waren die Dominanten, die Anton Ulrichs Leben und seine Herrschaft bestimmten, und in der Ausstellung nachgezeichnet werden.

Als innovativer und ideenreicher Bauherr war Anton Ulrich verantwortlich für die Errichtung der Opernhäuser in Wolfenbüttel und Braunschweig, die Neugestaltung der Herzoglichen Appartements im Wolfenbütteler Schloss und den Bau des Lustschlosses Salzdahlum. Mit der Gründung der Wolfenbütteler Ritterakademie und der Berufung von Gottfried Wilhelm Leibniz an die fürstliche Bibliothek, die heutige Herzog August Bibliothek, förderte er den Fortschritt in Wissenschaft und Bildung. Als begabter Dichter und passionierter Sammler hatte er Geltung weit über regionale und nationale Grenzen hinaus.

Anton Ulrich war in seinem Denken seiner Zeit weit voraus und trat, lange bevor Lessings Forderung nach Toleranz in Glaubensfragen im „Nathan der Weise“ ein Gesicht bekam, für die Verständigung zwischen den Konfessionen ein.

Machtbewusst, ehrgeizig, diplomatisch und intrigierend präsentiert sich der Politiker Anton Ulrich, der stets versuchte, die Interessen seines Hauses zu behaupten und seine Macht zu erweitern. Entschlossen trat er dem Machtstreben seines Vetters Ernst August von Hannover entgegen, verbündete sich mit Frankreich unter Ludwig XIV. und betrieb damit eine riskante Politik, die zeitweise sogar die Existenz seines Landes in Gefahr brachte.

Durch eine überaus geschickte Heiratspolitik konnte Anton Ulrich Beziehungen zum russischen Zarenhof und dem kaiserlichen Wien knüpfen. So bekam das politische Wirken Anton Ulrichs europäische Dimensionen.