»Saupark Springe«

Autor: Ann-Kathrin Ochs

Das Gebiet, auf dem sich heute der Saupark und das Jagdschloss Springe befinden, hat eine sehr wechselvolle Geschichte, insbesondere was die Wald- und Jagdnutzung betrifft.
Bereits im 12. Jh. jagten hier die Herren des benachbarten Berges Hallermuntkopf. Sie errichteten dort 1173 eine Burg, mit deren Zerstörung 1435 die Welfen die Macht übernahmen. Doch erst weitere 600 Jahre später kam es zur Einrichtung des Sauparks und dem Bau des Jagdschlosses Springe.  

Jagdschloss Springe mit linkem Kavaliershaus. © Jagdschloss Springe
Jagdschloss Springe mit linkem Kavaliershaus

Die Welfen im Deisterland

König Ernst August von Hannover im Alter von ca. 70 Jahren – Gemälde (Ausschnitt) von Louis-Ammy Blanc (1810-1885).
König Ernst August von Hannover im Alter von ca. 70 Jahren – Gemälde (Ausschnitt) von Louis-Ammy Blanc (1810-1885).

Von 1435 an herrschten die Welfen über das Deisterland und hatten dort die Jagdhoheit inne.
     Welfische Grenzsteine markierten zu dieser Zeit die Übergänge zu den Nachbargebieten. Einige sind bis heute erhalten. Man erkennt sie gut an der Wolfsangel, einem althannoverschen Zeichen. Zum einen erinnert der Doppelhaken an ein Gerät, das zum Wolfsfang verwendet wurde. Andererseits gibt es im altgermanischen Runenalphabet ein ähnliches Zeichen – den Buchstaben „E“, der die heilige Eiche bezeichnet.
     In dem Gebiet zwischen den Grenzsteinen hielten die neuen Herren bis ins 18. Jahrhundert regelmäßig große Haupt- und Saujagen ab. Hauptjagen bezeichnen große eingestellte Jagen. Dabei wird das Wild von Treibern auf einem mit Tüchern begrenzten Platz versammelt, der über einen Ausgang verfügt. Dort positionieren sich die Schützen, um das flüchtende Wild zu erlegen.
     Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an wurden gelegentlich noch kleinere eingestellte Jagen abgehalten, jedoch nur für einige hohe Beamte, da sich Georg III. in seiner Position als König von Großbritannien selten in Hannover aufhielt.
     Die Wildschäden stiegen aufgrund der selteneren Bejagung beträchtlich an, die Bauern der umliegenden Gebiete konnten sich über Schadensersatzzahlungen freuen. Langsam kam der Gedanke auf, ein umfriedetes Gebiet für das Wild zu schaffen, unter anderem um die Kosten für die Wildschäden zu senken.
     1793 riet der hannoversche Oberjägermeister Freiherr von Beaulieu-Marconnai dem König zur Einrichtung eines Tiergartens in der Nähe der Residenz. Er argumentierte nicht zuletzt mit der Zeitersparnis, die der König dadurch bei der Jagd hätte, weil die Erfolgsquote höher und das zu bejagende Gebiet kleiner wäre. Gegner lehnten die Jagd im Park ab und verurteilten die Einschränkung der lukrativen Holzwirtschaft zugunsten der Jagd.

Erst 1834 fiel endgültig die Entscheidung für den Saupark.

     Ausgewählt wurden für das Vorhaben die Reviere Springe sowie Altenhagen und am 7. April 1836 konnte endlich der Grundstein für die Sauparkmauer gelegt werden.

Der Bau der Saupark-Mauer

Die Mauer war 2,04 m (7 Fuß) hoch, 0,58 m (2 Fuß) breit sowie 16,2 km lang und umfasste ein Gebiet von immerhin 1600 ha.

Für den Bau verwendete man Jurakalk, der vor Ort abgebaut werden konnte und deckte ihn mit Grasplaggen, Ton, Moos oder vermörtelten Steinplatten ab.
     Die einzelnen Mauerabschnitte passen sich der jeweiligen Landschaft an. Bis heute dienen die Zwischenpfeiler an den Steilhängen der Statik. Weiterhin musste an manchen Stellen Erde aufgeschüttet oder abgetragen werden. Auf diese Weise entstand ein Bauwerk mit beeindruckenden Maßen:
     Die Mauer war 2,04 m (7 Fuß) hoch, 0,58 m (2 Fuß) breit sowie 16,2 km lang und umfasste ein Gebiet von immerhin 1600 ha.

12 Tore ermöglichten die jagdliche und forstliche Bewirtschaftung, sollten allerdings auch zum Streitpunkt werden. Um die anhaltenden Diskussionen über Öffnung und Schließung der Tore zu beenden, legte man die Forst- und Jagdverwaltung 1860 schließlich zusammen. Die Bauherren hätten sich sicher nicht träumen lassen, dass ihr ehrgeiziges Projekt auch noch nach fast 200 Jahren zu großen Teilen erhalten ist. Zwar hinterließ der Zweite Weltkrieg seine Spuren, doch seit den 1960er-Jahren wurden immer wieder Reparaturen und Erweiterungen durchgeführt.
     Parallel zur Saupark-Mauer baute man bis 1839 das Jagdschloss Springe sowie zugehörige Torwärter- und Forsthäuser.

Im Sommer 1839 liefen die Vorbereitungen für den Saupark auf Hochtouren. Durch Körnung, also Fütterung, versuchte man monatelang, Schwarzwild in den Park zu locken.
     Den ganzen September wurde das Wild in der Umgebung Tag und Nacht durch Tagelöhner beunruhigt, um es Stück für Stück in den neuen Park zu treiben.
     Nachtwachen, die auf einer Strecke von 9 km große Feuer entfachten, hielten ab dem 30. September das Wild in seinen neuen Einständen. In den ersten vier Oktobertagen drückten zahlreiche Treiber das Wild weiter in Richtung des neu angelegten Parkgeländes. Am vierten Tag wurde die Mauer im Beisein des Königs Ernst August (1771–1851) geschlossen – der Saupark war vollendet.    

Zunächst beheimatete er zwischen 100 und 120 Stück Rotwild und 90 Stück Schwarzwild, denen mittels verschiedener Formen der Gesellschaftsjagd, den Haupt- und Contrajagen, nachgestellt wurde.
     Beim Contrajagen handelt es sich um eine modifizierte Art des eingestellten Jagens. Der eingegrenzte Bereich wird durch einen Engpass im Zentrum verändert, an dem sich die bevorzugten Jagdgäste aufhalten, während die Helfer ihnen das Wild von beiden Seiten zutreiben.
     Doch die Freude an solchen Vergnügungen sollte nicht lange währen, denn wenige Jahre später nahm die Geschichte eine dramatische Wendung: Die Welfen wurden 1866 bei Langensalza durch die Preußen geschlagen. Der König, Kronprinz Ernst August (1845–1923) und Prinzessin Friederike ließen die bis dahin von ihrer Familie beherrschten Ländereien zurück und gingen nach Wien.
     In der preußischen Zeit gab es bauliche Erweiterungen am Jagdschloss Springe, die sonstigen Einrichtungen wurden weitgehend so erhalten, wie man sie vorfand. Abgesehen vom Zuwachs des Wildbestandes und der Ansiedlung von Damwild kam es nicht zu nennenswerten Veränderungen.

Geschichte des Sauparks vom Ersten Weltkrieg bis heute

Im Ersten Weltkrieg stieg der Wildbestand zunächst stark an, weil die sonst üblichen Hauptjagen immer wieder verschoben wurden. Als dann jedoch 1916 das Futter knapp wurde, verhungerte das Schwarzwild scharenweise. Von 1000 Stück blieben nur 300 übrig. Da die anderen heimischen Wildarten auch zuvor keine Winterfütterung erhalten hatten, änderte sich ihr Bestand nicht wesentlich.
     Alle übrig gebliebenen Stücke des zwischenzeitlich eingebürgerten Altaiwilds wurden allerdings 1918 erlegt.
     Nach dem Krieg wechselte das Wild bei offenen Toren von außen in den Park ein. Um die Hege zu verbessern, gründete Forstmeister Maske einen „Saufond“, der ihm zu Geld für die Fütterung verhalf.
     Es gab auch andere Neuerungen: 1927 wurde ein Wisentgehege eingerichtet, um das seltene Wild zu schützen.
     In der NS-Zeit wurde die Repräsentation zunehmend wichtiger – der verhältnismäßig kleine Saupark eignete sich kaum für solche Zwecke und fand dementsprechend wenig Beachtung.
     Das eingestellte Jagen nahm an Popularität ab, die Bedeutung der Trophäen hingegen nahm zu. Um diesem Bedürfnis nachkommen zu können, übersiedelte man 1936 sechs Stücke Rotwild aus dem für starkes Wild dieser Art berühmten Rominten. Dagegen wurde der Wisentbestand 1941 an andere Gehege abgegeben.
     Die Wirren des Zweiten Weltkriegs brachten viele Flüchtlinge, Soldaten und Zwangsarbeiter in den Saupark und den umliegenden Wald, die in ihrer Notlage wilderten.
     Mit der Neugründung der Bundesrepublik ordneten sich die Jagd- und Hegeverhältnisse im Saupark wieder. Der jeweilige Ministerpräsident von Niedersachsen hatte die Jagdhoheit inne und der eine oder andere von ihnen ließ Diplomatenjagden veranstalten. 1990 wurde Gerhard Schröder Ministerpräsident von Niedersachsen und schaffte die ihm traditionell zukommende Jagdhoheit ab. Statt Staatsjagden sollten nur noch zweimal jährlich Gesellschaftsjagden stattfinden.

Zwei weitere wichtige Entwicklungen seien zum Schluss noch genannt:

Zum einen wurde der Mauerpark 1954 zum Naturschutzgebiet erklärt.

Und zum anderen erhielt das Jagdschloss Springe 1967, nachdem es viele Jahre als Kinderheim gedient hatte, seine heutige Funktion als Jägerlehrhof. Dadurch sind Saupark und Schloss bis heute eng mit dem Thema Jagd verbunden.

Das Buch über den Saupark Springe bei Hannover

WILHELM PUCHMÜLLER: Leben und Jagen im Saupark Springe - Geschichte und Geschichten aus einem hannoverschen Jagdrevier

Neben der Schorfheide und Rominten gehört der Saupark in Springe sicherlich zu den bedeutensten jagdkulturellen Orten. Dieses Buch handelt von Rittern, Königen, Kaisern, dem Reichsjägermeister und Ministerpräsidenten im Kleinen Deister, dem späteren Saupark.
In 17 großen Kapiteln setzt der Autor dem Forstamt Saupark sein wohlverdientes Denkmal.